African Virgin

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African Virgin

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Zyklus African Virgin - FGM

Acryl auf Leinwand

seit 2012

Schnitte mit Seilen zugenäht

TV-Screens, Digital Frames, LED Lights

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FGM

Es begann mit "Ainsi soit-elle" von Benoîte Groult.

Ich las das Buch (*) in den 1980ern und dachte, schrecklich, aber auch gut, dass diese Beschneidungen ins Kapitel dunkle Historie gehören. Offenbar war mein Französisch nicht gut genug, um zu verstehen, dass es sich bei der FGM nicht um die Vergangenheit handelt.

Anfangs 2000 sah ich eine Sendung im Bayerischen Fernsehen - mir wurde schlecht: FGM. Aktuell. Noch immer Tag für Tag Female Genital Mutilation.

Seitdem habe ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt. 2016 wurde mir zudem klar, dass F nicht für Female, sondern für Fight stehen sollte. Denn die männliche Beschneidung kann als der Hygiene geschuldete Notwendigkeit bezeichnet werden. Wird mehr als die Vorhaut beschnitten, so ist es die Ausnahme und geschieht im Willen des Betroffenen. Das heißt, das F muss nicht mehr für Female stehen. Female in Bezug auf FGM ist in meinem Verständnis zum Pleonasmus geworden.

Anders gesagt: Unter Genital Mutilation verstehe ich ausschließlich die Frau als Opfer. Daher meine neue Interpretation von FGM: Fight Genital Mutilation.

Meine Arbeiten zu dem Thema sind bewusst klinisch gehalten. Als Visual wollte ich nichts in Richtung Edvard Munchs Schrei Nummer fünf, Anselm Kiefers Düsterheit, oder Blut beschmierte Leinwände von exaltierten Wilden.

Es sollten Bilder sein, die das FGM-Thema so zurückhaltend darstellen, dass man sie auch in einem Kinderzimmer aufhängen kann. Denn die Erwachsenen sollen sich - auf den zweiten Blick - daran erinnern, was die Bilder wirklich darstellen, nicht aber einem Kind den Schlaf rauben oder beängstigende Gefühle aufdrängen.

So ist ein Zyklus entstanden auf Leinwänden, die aufwändig mit meiner Sugar Coat-Technik bearbeitet als „African Virgin“, „African Bride" und "African Mother" gestaltet sind, meist schneeweiß und rein – teilweise mit LED-Licht, digitalen Bilderrahmen oder live TV-Bilder des Kinderkanals im Hintergrund. Das das eigentliche Thema ist nur dargestellt durch Seile, die einen Schnitt in der Leinwand verbinden bzw. durch zerschnittene Seile der "African Bride"-Bilder und den entfernten Seilen der "African Mother"-Bilder, wo nur noch unheilbare Löcher verbleiben.

Soweit mein FGM-Zyklus "African Virgin". 2017 waren es bereits über 60 Leinwände.

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(*) = "Ainsi soit-elle" (Paris, 1975) bzw. „Ödipus‘ Schwester“ (München, 1985).

Benoîte Groult ist im deutschen Sprachraum bekannt durch ihren Bestseller „Salz auf unserer Haut“ (Paris, 1988)

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